Neue Behandlungsmethode für Headshaker

Etwa 90 Prozent aller Headshaker leiden an einer Überempfindlichkeit oder einer Schädigung des Gesichtsnervs (Trigeminusnerv). Pferde, die an Trigeminusneuralgie leiden, haben nicht nur starke Schmerzen, sondern sind oft auch nicht mehr reitbar. „Das grundlegende Problem bei dieser Erkrankung ist, dass die Reizschwelle für die Stimulation des Nervs drastisch herabgesetzt ist“, erklärt Dr. Christian Bingold von der Pferdeklinik Großostheim. „Das heißt, ein Stimulus bzw. ein Ereignis, das im Normalfall noch lange nicht zur Reizung des Nervs führt, löst sofort einen völlig übertriebenen Superreiz aus, der dann vom Gehirn als Schmerzsignal empfunden wird.“ Auslöser sind ganz alltägliche Reize durch Licht, Wind, Kälte, Staub oder Regentropfen. Bei gut der Hälfte aller Headshaker verstärken sich die Symptome bei Sonneneinstrahlung. Deshalb treten die Symptome vermehrt im Frühjahr und Sommer auf.

Lindern kann man die Symptome mit lichtreduzierenden Kopfmasken. Auch Nasennetze, Fransen oder Bommeln haben vor allem in leichteren Fällen eine positive Wirkung, da sie die Tasthaare der Nüstern ablenken und der mechanische Reiz den Schmerzreiz lindert, ähnlich dem Effekt beim Kratzen.  Aus der Humanmedizin stammen die Medikamente Carbamezin (dämpft die Aktivität des Trigeminus), Cyproheptadin (gegen allergischen Schnupfen und Juckreiz) und Gabapentin (wird bei Epilepsie eingesetzt), die allerdings starke Nebenwirkungen wie z.B. Krampfkoliken haben können. „Es gibt auch eine Operation, bei der der Nerv mit Platinspulen so stark zusammengepresst wird, dass die Reizübertragung unterbrochen wird“, so Bingold. „Allerdings ist Erfolgsquote gering und viele Pferde müssen aufgrund starker Nebenwirkungen eingeschläfert werden.“

PENS stammt aus der Humanmedizin; mit dieser Methode wird Trigeminusneuralgie beim Menschen behandelt. Dabei wird eine Sonde direkt über dem Trigeminusnerv unter die Haut eingeführt und der Nerv wird für eine bestimmte Zeit intervallartig stimuliert. Von behandelten Personen wird die Therapie als angenehm beschrieben. In Bristol wurden nun sieben Pferde, die an Headshaking der Grade 2 oder 3 litten – also nicht mehr reitbar waren und zum Teil sogar im Ruhezustand mit dem Kopf schlugen – je drei Mal mit PENS behandelt. Ein Pferd sprach nicht auf die Therapie an, aber sechs Tiere waren danach für eine Dauer von zwei bis zehn Monaten symptomfrei.

Von einem Durchbruch oder einer Heilung kann sicher noch nicht die Rede sein – eher von einer Möglichkeit, betroffenen Pferden in regelmäßigen Abständen den Leidensdruck zu nehmen. Auch Dr. Bingold relativiert: „Der bisherige Wissenstand reicht noch nicht aus, um von einer etablierten Methode sprechen zu können.“ Dennoch hält er PENS für eine vielversprechende Perspektive. „Ich erwarte, dass man damit manchen Pferden wird helfen können“.

(Autorin: Anna Castronovo / Quelle: reitsport MAGAZIN August 2015)

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